Helene Schweida wurde am 11.05.1889 in Braunschweig geboren. Ihr Vater war Tischler, die Mutter Köchin. 1890 wurde der Vater wegen seiner gewerkschaftlichen und politischen Aktivitäten aus Braunschweig ausgewiesen; die Familie zog nach Bremen. Helene Schweida besuchte die Volksschule und die Handelsschule. Sie absolvierte eine kaufmännische Lehre und arbeitete bis 1912 als Buchhalterin. Die gewerkschaftlichen und politischen Tätigkeiten des Vaters regten sie schon früh zu eigener politischer Betätigung an. Als 18jährige wurde sie Mitglied der SPD, zunächst in der Sozialistischen Arbeiterjugend. Fünf Jahre später wurde sie als Beisitzerin in den Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins gewählt. Sie übernahm diverse Parteiämter und war eine vielbeschäftigte Rednerin. Vom Oktober 1913 bis Ende März 1914 besuchte sie, delegiert durch die Partei, die Parteischule der SPD in Berlin. Hier lernte sie auch ihren späteren Mann, den von der Hamburger SPD delegierten Wilhelm Kaisen, kennen.

Eine Führerin der antimilitaristischen Frauenbewegung

Während des 1. Weltkrieges arbeitete Helene Schweida zunächst im Zentral-Hilfs-Ausschuß vom Roten Kreuz mit. Seit 1916 wandte sie sich zunehmend von der Politik ihrer Partei ab und wurde eine der Führerinnen der antimilitaristischen Frauenbewegung in Bremen und Mitglied der oppositionellen Jugendbewegung. Noch vor der Parteienspaltung wurde sie zur Vorsitzenden der Jugendkommission des Sozialdemokratischen Vereins gewählt, die dem linken Parteiflügel zugerechnet wurde; 1917 trat sie mit dieser Gruppe der USPD bei (wobei ungesichert ist, ob sie formales Mitglied wurde). Nach ihrer Heirat zog sich Helene Kaisen aus dem politischen Leben zurück, wandte sich aber wiederum sozialen Angelegenheiten zu. Sofern sie nicht unmittelbar Mitbegründerin des Ortsausschusses für AWO war, gehörte sie zumindest zu den tätigen Mitgliedern der Organisation während der Weimarer Zeit.

Wilhelm Kaisen in "Schutzhaft"

Im Mai 1933 wurde Wilhelm Kaisen für zwölf Tage in "Schutzhaft" genommen. Die Familie, inzwischen mit vier Kindern, übernahm die Siedlerstelle in Bremen Borgfeld, in der sie bis Kriegsende relativ zurückgezogen lebte. Helene Kaisen, so ihre Tochter Ilse Kaisen, half während dieser Jahre oft im privaten Kreis Menschen in Rechts- und sozialen Angelegenheiten. Zu den Leidenserfahrungen der Familie im Krieg gehörte, dass der Sohn Niels 1942 in Rußland fiel.

First Lady Bremens

Nach Kriegsende – Wilhelm Kaisen wurde am 6.6.1945 von der Militärregierung zum Mitglied des Senats und Wohlfahrtssenator ernannt, am 1.8.1945 dann zum Bürgermeister und Präsidenten des Senats – engagierte sich die "first lady" Bremens erneuert für die AWO, übernahm aber – obwohl als Ehefrau des Senatspräsidenten gewiß nicht unbedeutend für die Organisation – keine hervorragenden Ämter. Eine aktive Rolle in der "Wohlfahrtspflege" übernahm sie erst mit der Gründung des Vereins Nachbarschaftshaus Bremen e.V. Zwischen 1951 und 1964 war sie die Vereinsvorsitzende.

Helene Kaisen verstarb am 6.9.1973 im Borgfelder Familiensitz.


Quelle: Von Friedrich Ebert bis Ella Ehlers
Zur Vorgeschichte und zur Geschichte der bremischen Arbeiterwohlfahrt
von Jürgen Blandow, Edition Temmen, Bremen 1995 1